Im Andenken an die Schrecken der Kriegs- und Nachkriegszeit feierte der Erzbischof von Prag, Stanislav Pribyl, am 26. September 2026 eine Gedenkmesse in der Wiener Karlskirche. Der Gottesdienst fand im Rahmen des „Jahres der Versöhnung“ statt, das Erzbischof Pribyl zu Beginn dieses Jahres in der Diözese Leitmeritz, in der er zuvor Bischof war, ausgerufen hat.
Gemeinsames Gedenken, Erinnern und Beten solle die Gräben überwinden, die zwischen Deutschen, Österreichern und Tschechen seit den Verbrechen des Zweiten Weltkriegs und den Vertreibungen der Folgejahre in Tschechien bestehen. Die jahrhundertelange gemeinsame Geschichte dieser Völker wurde im 20. Jahrhundert durch Kriege, Massenmorde, gewaltsame Umvolkungen und Vertreibungen nachhaltig geschädigt.
In seiner Predigt erinnerte der Erzbischof daran, dass christliches Verzeihen kein simples Vergessen sei, sondern die Fehler der Vergangenheit der Fürsorge Gottes überantworte. Es gehöre aber auch dazu, Fehler der eigenen Historie anzuerkennen und kritisch zu hinterfragen.
Auch der Rektor der Karlskirche, P. Marek Pucalik O.Cr., der dem tschechischen Kreuzherrenorden mit dem Roten Stern angehört, erinnert in seinem Grußwort an die Kraft gemeinsamen Gedenkens: „Sich diese gemeinsame Geschichte – mit all ihren Schattenseiten – in Erinnerung zu rufen, der Opfer zu gedenken und das Gedächtnis an sie wachzuhalten, kann unseren Sinn für das Gegenwärtige schärfen und unsere Sorge um das Zukünftige fördern“, betonte er.
Musikalisch wurde die Heilige Messe von einem tschechischen Chor und einem Orchester aus Rychnod nad Kneznou begleitet, die die „Missa Solemnis“ von V. J. Tomasek aufführten. Die Messe wurde zur Krönung von Ferdinand I. zum König von Böhmen im Jahre 1836 uraufgeführt.
In einem Versöhnungsgebet des Erzbischofs betete die bis auf den letzten Platz besetzte Karlskirche gemeinsam vor dem Allerheiligsten um Frieden, Vergebung und Versöhnung der Völker. Bei der anschließenden Agape konnte der Anspruch des Abends, Gespräch und Austausch zu fördern, direkt in die Tat umgesetzt werden. Bei böhmischem Bier und mährischen Brötchen kamen Österreicher, Deutsche, Tschechen sowie Vertriebene und Nachkommen der Vertriebenen freundschaftlich zusammen.
Stanislav Pribyl ist seit 25. April Erzbischof von Prag. Er war einer der Mitkonsekratoren bei der Bischofsweihe von Erzbischof Josef Grünwidl. Der Orden der Kreuzherren mit dem roten Stern hat sein Mutterhaus in Prag und ist seit 1733 an der Karlskirche ansässig.
Fotos: Cynthia Fischer
















