Open Church Sounds oder: Kirche und Welt

Was die Kirche ist, damit hat sich zuletzt in eingehender Weise das Zweite Vatikanische Konzil auseinandergesetzt. Ist sie die Summe der kirchlichen Lehre? Ist sie die Ämterstruktur aus Priestern, Bischöfen und Papst? Ist sie die einzelnen Personen, die getauft sind und sich zur Kirche bekennen? Die Antwort auf die Frage ist komplex und vielgestaltig, da die Frage an den Kern des christlichen Glaubens rührt. Und so hat das Konzil viele Begriffe gefunden, um das zu umschreiben, was die Kirche ist: Mystischer Leib Christ, Gemeinschaft der Gläubigen, pilgerndes Volk Gottes und so weiter. Die Kirche ist aber vor allem eins – sie ist Mysterium. Wer glaubt, sie in knappen Worten treffend und hinreichend beschreiben zu können, missversteht etwas.

So ist auch die Frage schwierig, wie die Kirche mit der Welt interagieren soll. Die Frage impliziert, dass es eine Differenz zwischen Kirche und Welt gäbe – doch die Kirche ist ja auch in der Welt, sie ist nicht enthoben von ihr, ist keine Parallelgesellschaft. Aber sie hat eben auch ein transzendentes Wesen. In dieser Ambivalenz befindet sich die Kirche seit ihrer Gründung durch Christus. Sich verorten zu müssen zwischen dem Hier und Heute und der Ewigkeit; zwischen der Welt und dem Himmel. Eine der wesentlichen Fragen, die sich in diesem Verhältnis stellt, lautet dann: Wie schafft es die Kirche, immer dieses Verbindungsglied zu bleiben zwischen Gott und den Menschen. Oder anders gefragt: Wie kann die Kirche zu allen Zeiten ihrem Auftrag gerecht werden, Menschen zum Heil, also zur Schau Gottes im Himmel, zu verhelfen.

Eine der vielen Krisen, die die Kirche heute erlebt, ist, dass sie fern der Menschen und ihrer Lebensrealität zu sein scheint. Kirche, kirchliches Leben, Sakramente, das alles findet irgendwie an der Peripherie der Gesellschaft statt und oftmals gewinnt man den Eindruck, die Kirche sei eigentlich unsichtbar geworden, führe ein Schattendasein, kreise um sich und erreiche niemanden mehr.

In einer Welt, in der die Dauerbeschallung normaler als die Stille wurde, ist es deswegen umso wichtiger, nicht unterzugehen, sondern immer wieder aufs Neue zu zeigen: die Kirche gibt es noch, sie ist noch nicht unsichtbar geworden. Stattdessen ist sie mitten in der Welt – nicht aber um sich an sie anzugleichen und sich anzubiedern, sondern um zeigen: diese Welt ist nicht schlecht – nein, ganz im Gegenteil – sie ist gut, weil sie aus Gott kommt. Aber es gibt eben noch mehr, es gibt die unmittelbare Gottesbegegnung, es gibt den Kontakt mit dem Heiligsten. Im Gebet, im Sakrament, in Werken der Nächstenliebe begegnet uns Gott.

Die Open Church Sounds sind ein Versuch, zur Verortung der Kirche in der Welt und dazu beizutragen, die Kirche sichtbar zu halten, in einer Gesellschaft, in der sie zunehmend verdrängt wird und sich darüber hinaus selbst aus ihr zurücknimmt. Mehrere tausend junge Menschen kamen am 25. Juni auf den Karlsplatz, um zu feiern, zu tanzen und Musik zu hören. Die Tore der Kirche waren weit geöffnet, im Inneren standen Priester bereit und standen für Gebet, Beichte und einen Segen zur Verfügung. Am Ende betete der Rektor der Karlskirche mit allen Teilnehmern am Platz das Vater Unser.

Wenn die Kirche pilgerndes Volk Gottes ist, dann ist sie immer auf dem Weg. Dann sind die Wege auch manchmal ungewöhnlich, steinig, unwegsam. All das ist egal, solange sie zu Gott führen. Die Kirche hat die unverbrüchliche Zusage der Gegenwart Christi in ihr; Christus selbst ist der Weg. Wenn wir es als Kirche schaffen, junge Menschen, die vielleicht Jahre nichts mehr von Christus gehört haben, in die Gegenwart Christi zu führen, ist schon viel gewonnen. Für diesen Ansatz und diesen Wunsch stehen die Open Church Sounds, die jedes Jahr aufs Neue Tausende auf den Karlsplatz, Hunderte in die Karlskirche und bereits einige zurück in den Schoß der Kirche gebracht haben.

Pater Marek Pucalik, O.Cr. bedankt sich bei allen herzlich, die zum Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen haben. Verum Gaudium, die wie immer hochprofessionell die Veranstaltung geplant und umgesetzt haben, die Priester, die für geistliches Gespräch zur Verfügung standen und alle Besucherinnen und Besucher.

Fotos: Florian Schöny

Product details