Es sind die bedeutendsten Tage des Kirchenjahres: die Tage von Palmsonntag bis Ostersonntag bilden die Heilige Woche, in der die Kirche dem Leiden, dem Tod und der Auferstehung Jesu Christi gedenkt. Die liturgischen Feiern dieser Tage sind geprägt von großer Dramatik. Erst festlich-fröhlich am Palmsonntag, dem Einzug Jesu Christi in Jerusalem, dann getragen am Gründonnerstag, tottraurig am Karfreitag und letztlich jubelnd, dankbar und glücklich in der Osternacht und am Ostersonntag.
Die Tage der Karwoche versuchen in ihren Feiern, der aufwendigen Liturgie, ihren Gebeten und Texten dasjenige auszudrücken, zu dessen Beschreibung Worte nicht ausreichen: das unglaubliche Mysterium, dass der menschgewordene Gott für die Menschen gestorben und auferstanden ist.
Wovon der Mensch nicht sprechen kann, davon kann er singen, lässt sich angelehnt an Ludwig Wittgenstein sagen. Die Musik ist ein wichtiges Werkzeug, einen Ausdruck für das Unausdrückbare zu finden und darüber hinaus dem Gebet und dem Lobpreis Gottes eine besondere Qualität zu verleihen. Zu den heiligen Tagen wurden deshalb besondere Stücke aufgeführt: Angefangen am Palmsonntag, wo die „Boni Pueri“ auftraten, ein prämierter Tschechischer Knabenchor, der schon einige Male in der Karlskirche gastierte. Am Gründonnerstag führte der Chor der Karlskirche „Cantores Caroli“ – Michel’angelo Grancinis Messa I à Quattro Voci (1664) auf, an Karfreitag gelangten die Lamentationes von Jacobus Gallus zur Aufführung.
In der Osternacht ereignete sich dann nicht nur der liturgische Höhepunkt, sondern auch der musikalische: Das 40-stimmige Stück Spem in alium von Thomas Tallis wurde zum Asperges und der Gabenbereitung von mehreren Chören aufgeführt – eine absolute Seltenheit. „Das Stück passt einfach wunderbar in diese Kirche“, sagt Chorleiter und Musikdirektor Martin Zeller, der das Stück mit sechzig Sängerinnen und Sängern einstudiert hat. „Diese unglaubliche Musik fügt sich einfach perfekt ein in die Akustik und Komposition des Raumes. So etwas Stimmiges gibt es wirklich nur in der Karlskirche.“ Bernard Mallmann machte in seiner Predigt der Osternacht den theologischen Gehalt dieses Stückes deutlich. „Wie sich die 40 Stimmen zu einem Stück vereinigen, so vereinigt sich die Kirche Christi zu einem großen Gebet, stimmt ein in den immerwährenden Lobgesang des Himmels und preist in dieser hochheiligen Nacht den ewigen Gott, der für uns gestorben und auferstanden ist.“
Am Ostersonntag wurde dann Mozarts Große Credo Messe aufgeführt, am Ostermontag gastierte das renommierte Bläserensemble „Greinbrass“ in der Karlskirche.
Rektor Marek Pucalik resümiert: „Die Kirche Christi ist ausgerichtet auf das Kreuz und das leere Grab: Sie bilden das Zentrum unseres Glaubens. Die Botschaft von der Auferstehung hat die Kraft, die Welt und die Menschen zu verändern. Die liturgischen Feiern rufen uns das in Erinnerung und helfen uns dabei, Gott zu danken für das, was er für uns getan hat.“
Fotos: Paula M. Egger, Magdalena Gruber, Markus Langer
















